Von Galapagos zu den Marquesas

Am 03.03.16 gingen wir in San Christobal um 09:45 Uhr Anker auf. Gleich nachdem ich den Autopiloten einschaltete zog das Boot nach Steuerbord und nicht zurück. Ich stellte schnell fest das der Ruderlagenrückmelder defekt war. Zum Glück war ein neuer bei meinem Einkauf in Panama mit an Bord. Der Einbau dauerte nur ca 1 Stunde und wir konnten beruhigt weiterfahren. Das Meer war spiegelglatt und wir hatten fast keinen Wind. Die nächsten Tage mussten wir meistens Dieseln da wir nur leichte umlaufende Winde hatten. Wir versuchten immer wieder zu segeln, setzten auch den Blister. Aber bald hing auch der nur schlapp herunter. Wir versuchten mit Südwestlichem Kurs in die Passatwindzone zu kommen. Erst ab Mittwoch dem 09.03. setzte der Südostpassat gleichmäßig ein und wir machten raumschots gute Fahrt. Ab da segelten wir mit gerefftem Großsegel und Genua. Im Bereich der Flaute hatten wir auch viele Regenschauer, das hörte nun bis auf einzelne Fronten auf. Es war sehr warm, tagsüber ca 30 Grad und Nachts höchstens 2 Grad weniger.Bald entstand auch eine unangenehme Welle die das Boot heftig rollen lies, so wurde das Leben an Bord anstrengender, man musste immer alles festhalten und vor allem beim kochen alles sichern. Wir gingen wieder 4 Stunden Wachen. Die erste fing um 20:00 Uhr an bis 24:00 Uhr, dann bis 04:00 Uhr und die letzte bis morgends 08:00Uhr. Am nächsten Tag wurde gewechselt. Dadurch hatte wir in jeder zweiten Nacht nur eine Wache. Tagsüber machten wir es locker ohne feste Zeiten.
Der normale Tagesablauf fing um 08:00 Uhr mit einem üppigen Frühstück an. Mittags gab es ein Müsli und nachmittags Tee mit Keksen. Der Höhepunkt des Tages war das Abendessen gegen 18:00 Uhr. Wir kochten abwechselnd und jeder gab sich große Mühe was leckeres zu machen. Leider ging uns bald das Fleisch aus, und wir mussten auf Konserven zurückgreifen. Der erhoffte Fischfang blieb aus. Nur einmal hatten wir einen kleinen Espada an der Angel. Allerdings verloren wir sehr viele Köder. Es müssen große Fische angebissen haben, denn die Leine kam stramm, es ruckte und der Köder war weg. Erst am letzten Tag vor Hiva Oa fingen wir einen ca 8 kg schweren Waahoo. Auf der ganzen Strecke sahen wir am Anfang nur 2 Frachter und 2 große Fischerboote kreuzten unseren Kurs. Auch war das Meer fast tot. Am Anfang besuchten uns noch einige Delfinschulen, das hörte bald nach Galapagos auf. Gelegentlich sahen wir Seevögel und sonst nur Fliegende Fische. Davon lagen auch oft morgends welche an Bord. Es gab aber auch absolut kein Treibgut oder Müll. In wolkenlosen hatten wir einen fantastischen Sternenhimmel über uns. Die Michstrasse war sehr klar zu sehen. Die beherrschenden Sternzeichen waren abends der Orion dann das Kreuz des Südens bis morgends der Skorpion komplett zu sehen war, begleitet vom Mars.
Am Donnerstag den 24.03.16 fiel unser Anker in der Baie Tahauku von Hiva Oa. Wir hatten in nur 21 Tagen 3020 Sm zurückgelegt, was ein Schnitt von fast 143 Sm pro Tag machte.
Wir waren happy und sehr zufrieden. Die Bucht war sehr voll, wieder waren etliche Boote der ARC World da. Um schwojen zu vermeiden mussten wir auch einen Heckanker setzen. Am Abend feierten wir unsere Ankunft, wir hatten während der ganzen Überfahrt nur alle 1000Sm, also zweimal ein Bier getrunken. Am nächsten Morgen gingen wir zu dem 3 km entfernten Hauptort der Insel. Wir mussten bei der Gendarmerie einklarieren und konnten danach noch unsere Vorräte in einem kleinen Laden auffüllen. Um 12 Uhr war alles dicht, es war Karfreitag und am ganzen Osterwochenende war alles geschlossen. Am nächsten Tag reparierten wir einiges am Boot.
Am Ostersonntag konnten wir uns ein Auto leihen und eine Inseltour machen. Leider hatten wir einen regenreichen Tag erwischt. Trotzdem waren wir überwältigt von der Insel, die von hohen Bergen mit wilden Tälern beherrscht wird. Die Vegetation ist extrem üppig. In großen Palmenplantagen produziert die Bevölkerung in kleinen Dörfern hauptsächlich Copra. Aber es werden auch Bananen, Papayas, Pampelmusen, Limonen und andere Früchte angebaut.Daneben ist Fischfang eine wichtige Einnahmequelle. Auf unserer Tour kamen wir an alten Siedlungen, Kultstätten und Tikis, großen Steinskulpturen vorbei. Die zunächst gut befestigten Straßen gingen später in üble Schotterwege über, so dass wir trotz Allrad bei starkem Regen nicht weiterkamen. Wieder zurück in Atuona, dem Hauptort besuchten wir die Grabstätten von dem Maler Paul Gauguin und dem Sänger Jaques Brel, die hier die letzten Jahre ihres Lebens verbracht hatten. Die Museum und Gedenkstätten waren leider geschlossen. Die Bevölkerung ist sehr freundlich und besteht hauptsächlich aus den letzten Polynesiern und wenigen Franzosen. Männer wie Frauen sind meistens stark tätowiert. – Am Montag den 28.03. segelten wir nach Fatu Hiva, der südichsten Insel der Gruppe. Wir wollten im hellen dort ankommen, aber 4 Meilen vor der Bucht winkte uns ein amerikanischer Segler heran. Er hatte eine Leine im Propeller und bad darum eingeschleppt zu werden. Dadurch kamen wir im dunklen in der Bucht an, wo schon ca 10 andere Boote lagen. Das Ankermanöver verlief ziemlich chaotisch, der Amerikaner hatte noch seine Segel gesetzt und schoss durch das ganze Ankerfeld nachdem wir ihn von der Leine gelassen hatten. Nachdem er ein Boot gerammt hatte wurde er von mehreren Schlauchbooten zu einem Ankerplatz gebracht. Wir ankerten draußen auf 25m Tiefe. Erst am nächsten Morgen sahen wir die atemberaubende Kulisse der Bucht.Wilde Felsformation umgeben ein grünes Tal. Beim ersten Landgang sahen wir ein kleines sauberes Dorf mit netten Einwohnern. Jede Familie hat ein einfaches aber ordentliches Holzhaus mit vielen Pflanzen im Garten. Das meiste was man braucht kann jeder selbst ernten. Alle Strassen waren neu mit einer Betondecke versehen. Fatu Hiva hat 2 Orte die ca 12km ausseinander liegen und mit der einzigen Straße verbunden sind. Trotzdem hatte fast jede Familie einen PKW. Außerdem hatten alle neue Aluboote mit starken Aussenbordmotoren. Die alten Auslegerboote dienen nur noch zum Spaß. Am nächsten Tag gingen wir die neue Straße hoch bis zum Pass, von wo wir einen herrlichen Ausblick hatten. Dann suchten wir im dichten Regenwald nach einem Wasserfall, nachdem wir uns mehrfach verlaufen hatten gaben wir auf. Am Abend waren wir bei einer einheimischen Familie mit mehreren Seglern zum Essen. Sie hatten Schwein im Erdofen gemacht. Dazu gab es Salate und gegrillte Bananen, aber auch Fisch und Hühnchen. Das kostete ca 12.-€ pro Person. Wir mussten bald weiter, damit Rainer seinen Flieger auf Nuku Hiva erreicht. Wir segelten am 31.03. zunächst nach Tahuata, wo wir in einer schönen Bucht mit Sandstrand und Palmen ankerten. Im klaren Wasser sahen wir auch einen großen Manta. Einen weiteren Ankerstopp legten wir in Lee der Insel Ua Pou ein. Am 03.04. erreichten wir die große Ankerbucht mit gleich nahmigem Hauptort Taiaohae auf Nuku Hiva. Hier lagen ca 60 Yachten vor Anker. Auch die ARC Flotte hatte sich hier versammelt, werden aber bald weiter segeln. Ein netter Ort mit ca 3000 Einwohner liegt an der Bucht. Wir mieteten uns wieder ein Auto und erkundeten die Insel. Sie hat auch wieder eine tropische Vegetation mit wilden Tälern, Wasserfällen, einsamen Buchten und mytischen Kultstätten mit Tikis. Zur Tierwelt: Es gibt fast keine einheimischen Tiere, alles wurde von den Polynesiern bzw den Europäern mitgebracht. Auffällig sind die vielen Hühner und Hähne die auch vielfach verwildert in den Wäldern leben. Überall hört man Hähne krähen. Dann gibt es sehr viele Pferde, die zum Teil gezüchtet werden aber auch wild in abgelegenen Tälern leben. Auf einigen Inseln sind Ziegen zur Plage geworden. Daneben gibt es Schweine und besonders auf Nuku Hiva große Rinderfarmen, hauptsächlich im bergigen Hochland. Ratten sind zu Plage geworden. Sie fressen Löcher in die Kokusnüsse und höhlen sie aus. Am 06.04. fuhren wir in eine Nachbarbucht. Von da wanderten wir 6km einen wilden Pfad zu dem Wasserfall Te Vaipo. Der ist mit 350m Höhe einer der höchsten der Welt. Nach dem Rückweg bekamen wir ein Essen mit Ziegenfleisch und Brotfucht bei einer netten kleinen Familie.- In diesem Tal ist 2011 ein deutscher Segler ermordet worden. Man kann die Geschichte im Buch Blauwasserleben von Heike Dorsch nachlesen.-
Heute, den 08.04. ist Rainer nach Hause geflogen. Ich liege nun für die nächsten 5 Wochen hier in der Bucht und warte auf meine nächste Crew. Also: sollte noch jemand Zeit und Lust haben, ab in den Flieger über Papeete nach Nuku Hiva. Es lohnt sich!
Ich freue mich aber auch auf ein mail von euch, da ich nun auch mal wieder WWW habe.
Viele Grüße
Heiner

One thought on “Von Galapagos zu den Marquesas

  1. P.Jeddeloh

    Hallo Heiner
    Erst einmal toll, dass die Überfahrt ohne Probleme und weitere Schäden an Crew und Schiff geklappt hat.( Na bei dem Skipper eigendlich zu erwarten). Dein Bericht liest sich sehr schön und es kommt Fernweh auf.;-((.Schade, dass ich keine Zeit habe, Dich auf der Doertita für eine kleine Zeit zu begleiten. Hier im Ammerland ist soweit auch alles in Ordnung , unser Segelboot liegt auch wieder im Hafen und am Mittwoch, den 20.04. geht die erste Regatta auf dem Meer wieder los. Am 01.05 gehts auch bei uns los mit Urlaub – erst 3Tage Dubai, dann weiter nach Mauritius für drei Wochen.
    So – wir wünschen Dir (Euch) weiterhin eine ruhige und sichere Weiterfahrt . Ich freue mich schon auf weitere Berichte von dir und deiner Crew.
    LG Doris u. Peter

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