{"id":35,"date":"2016-02-27T00:40:57","date_gmt":"2016-02-26T23:40:57","guid":{"rendered":"http:\/\/doertita.achterliek.de\/?page_id=35"},"modified":"2016-02-27T00:40:57","modified_gmt":"2016-02-26T23:40:57","slug":"2005-2006","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/doertita.achterliek.de\/?page_id=35","title":{"rendered":"2005 \/ 2006"},"content":{"rendered":"<p><strong style=\"font-size: large;\">Kapverden &#8211; Teufelsinseln &#8211; Tobago &#8211; Grenada<\/strong><\/p>\n<p>Samstag, 10. Dezember 2005<\/p>\n<p>Position:\u00a0 N 13\u00b0 59\u2019, W 30\u00b0 36\u2019<br \/>\nKurs: 250\u00b0<br \/>\nGeschw. \u00fcber Grund: 5 Kn. (unter Maschine)<br \/>\nWind :\u00a0 NE 2-3<br \/>\nTemperatur : 30\u00b0 C<\/p>\n<p>Ihr Lieben,<\/p>\n<p>die erste Woche unseres Urlaubs ist schon beinahe geschafft. Bis heute haben wir 470 Seemeilen zur\u00fcckgelegt und damit bereits ein Viertel unserer Strecke bis Kourou hinter uns gebracht. Die Stimmung an Bord ist nach wie vor super, was uns allm\u00e4hlich auf den Geist geht.<br \/>\nHier der Versuch einer Zusammenfassung, in der Hoffnung, dass uns die Technik nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht.<\/p>\n<p><em><strong>Samstag, 03.12.\/ Sonntag 04.12.05<\/strong><\/em>, Ankunft auf Sal um 2.00 Ortszeit (MEZ minus 2 Stunden). \u00c4u\u00dferst z\u00e4he Abfertigung bei der Einreise, Olafs Angelrute ist nicht angekommen. Niemand, bei dem der Gep\u00e4ckverlust gemeldet werden k\u00f6nnte. Nachfragen bei den wenigen noch Anwesenden, die den Eindruck erwecken, zum Flughafenpersonal zu geh\u00f6ren, werden mit einem m\u00fcden Schulterzucken beantwortet. Dann gibt\u2019s eben keinen Fisch in den n\u00e4chsten Wochen. Nicht auszudenken, was gewesen w\u00e4re, wenn unsere Kulturbeutel versch\u00fctt gegangen w\u00e4ren. Kulturlos in Richtung Neue Welt &#8211; eine Katastrophe!<br \/>\nUnser Freund Heiner, Skipper und Eigner von \u201eD\u00f6rtita\u201c, unserem schwimmenden, hochseet\u00fcchtigen Heim f\u00fcr die n\u00e4chsten sechs Wochen, erwartet uns am Flughafen. Mit zwei Taxen fahren wir nach Palmeira, wo \u201eD\u00f6rtita\u201c in einer Bucht mit knapp drei\u00dfig weiteren Schiffen vor Anker liegt. Zwei Fuhren mit dem Dinghi sind n\u00f6tig, um uns und die volumin\u00f6sen Sees\u00e4cke \u00fcberzusetzen. Unser Skipper schwingt mit aller Kraft die Paddel und bringt die m\u00fcde Crew schnell und dennoch halbwegs trocken an Bord. Gepaddelt werden muss, weil der Au\u00dfenborder einige Tage zuvor abgesoffen ist und sich nicht wieder auf Touren hat bringen lassen. (H\u00e4tten wir geahnt, dass er die Paddel w\u00e4hrend des T\u00f6rns zu unserem Nachteil zweckentfremden w\u00fcrde, w\u00e4ren wir gar nicht erst an Bord gegangen. Dazu sp\u00e4ter mehr). V\u00f6llig ersch\u00f6pft fallen wir in unsere Kojen.<\/p>\n<p><strong><em>Sonntag, 04.12.05<\/em><\/strong>, abh\u00e4ngen und am Nachmittag mit Carlos und Elisabeth zum Strand. Die beiden leiten den TO-St\u00fctzpunkt (TO = Trans Ocean, eine Organisation, die Langfahrtsegler betreut) auf Sal, urige Leute, aber sehr nett. Unsere Anker-Nachbarn sind mit von der Partie, Sabine und Heinz von \u201eMagic Life\u201c und Maren und Uwe von \u201eHeavy Metal\u201c.<br \/>\nNach einer abenteuerlichen Fahrt mit zwei Pickups \u00fcber die Mondlandschaft Sals \u2013 wir haben noch nie so ein karges Eiland gesehen \u2013 landen wir an einem idyllischen St\u00fcck Strand, wo ein paar Einheimische, darunter ein Fischer, uns bereits mit gegrilltem Fisch und ein paar Flaschen Wein erwarten. Vor einer sehr einfachen H\u00fctte, unter behelfsm\u00e4\u00dfig abgespannten Plastikplanen als Schutz gegen die allenthalben sengende Sonne, haben sie einige Plastikst\u00fchle und Tische aufgestellt. Unglaublich, wie freundlich die Leute zu uns sind, trotz (oder gerade wegen?) der un\u00fcberwindbaren Sprachbarrieren. Elisabeth hat einen Salat und Rote Gr\u00fctze zum Nachtisch beigesteuert, so dass wir nicht ganz mit leeren H\u00e4nden dastehen. Wir schwelgen, versuchen uns irgendwie zu verst\u00e4ndigen und haben viel Spa\u00df. Und dann wagen wir noch den ersten Sprung in die atlantischen Wellen. Der Hammer ist: entgegen unseren Erwartungen kostet der ganze Spa\u00df nicht einmal etwas. Wir sind davon ausgegangen, die Leute wollten ihr geringes Einkommen aufbessern, indem sie den wenigen Touris eine kulinarische Abwechslung bieten. Pustekuchen!<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/media\/blogs\/index\/Kapverden1.JPG\" alt=\"Kapverden\" width=\"450p\" \/><br \/>\n<em><strong>Montag, 05.12.05,\u00a0<\/strong><\/em>vorbereiten auf unsere Abfahrt, in erster Linie Wasser und Diesel bunkern und Lebensmittel einkaufen. Das bedeutet, mit dem Dinghi 100 Mal an Land paddeln und unsere 20- und 5-Liter-Kanister, sowie zahlreiche 1,5-Liter-Flaschen an der Dorf-Wasserzapfstelle f\u00fcllen, durch\u2019s halbe Dorf zum Hafen schleppen, das Dinghi bis zur Oberkante voll packen, wieder zur\u00fcck zum Schiff paddeln und Beh\u00e4lter f\u00fcr Beh\u00e4lter in die Frischwassertanks f\u00fcllen, die immerhin 500 Liter fassen (zum Gl\u00fcck sind sie nicht ganz leer). Zeitraubend und schwei\u00dftreibend. In den bescheidenen Superm\u00e4rkten k\u00f6nnen wir uns mit den n\u00f6tigsten Lebensmitteln eindecken. Kartoffeln, etwas frisches Gem\u00fcse, Nudeln, Mehl und Eier. Sogar ein paar Kekse gibt\u2019s. Mann sind wir verw\u00f6hnt! Da wir nicht ganz zufrieden sind mit der Ausbeute, machen wir uns per Sammeltaxi auf den Weg in den n\u00e4chsten gr\u00f6\u00dferen Ort, namens Espargos. Dort tobt das Leben. Und wir bekommen fast alles, was das Herz begehrt. Olaf und ich nutzen die Zeit f\u00fcr einen Abstecher zum Flughafen, in der Hoffnung, jetzt jemanden anzutreffen, der uns zum\u00a0 Verbleib der vermissten Angelrute was sagen kann. Fehlanzeige. Abends laden wir Carlos und Elisabeth zum Essen ein. Bescheiden aber nett. Und dann, nach unserer sp\u00e4ten R\u00fcckkehr, beschlie\u00dft die Crew, in meinen Geburtstag hineinzufeiern. Trotz der M\u00fcdigkeit.<br \/>\nEs ist wundersch\u00f6n! Meine zuckers\u00fc\u00dfe Frau \u00fcberrascht mich mit einem Fotoalbum, in dem meine Familie und meine Freunde sich verewigt haben, mit Bildern und originellen Gl\u00fcckw\u00fcnschen. Dank Eurer aller Mitarbeit ist ein unvergessliches St\u00fcck Erinnerung entstanden, an dem ich in den n\u00e4chsten f\u00fcnfzig Jahren bestimmt noch viel Freude haben werde. Nochmals 1000 Dank!<\/p>\n<p><strong><em>Dienstag, 06.12.05,<\/em><\/strong>\u00a0weiter Wasser bunkern und noch mehr Lebensmittel einkaufen. Auch ein paar Kanister Treibstoff finden m\u00fchsam ihren Weg in den Schiffstank. Kurt tr\u00e4gt jetzt Jeans der Marke \u201eDiesel\u201c, sein T-Shirt vegetiert fortan in der Backskiste bei den Putzlappen vor sich hin.<br \/>\nAm Nachmittag geht\u2019s endlich los. Um 15.00 Ortszeit (= 16.00 Uhr UTC = 17.00 MEZ) lichten wir den Anker und brechen auf zu unserer Atlantik\u00fcberquerung.<br \/>\nDa die meisten von Euch nur einen Teil der Truppe kennen, m\u00f6chte ich an dieser Stelle die Gelegenheit ergreifen und Euch den m\u00fcden Haufen einmal vorstellen (Reihenfolge nach Alter aufsteigend):<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Olaf K., unser Segel-Azubi (so tituliert Kurt ihn jedenfalls immer), ist der einzige, der akzentfreies S\u00e4chsisch zu sprechen im Stande ist. Seine verzweifelten Bem\u00fchungen, uns seine Muttersprache nahe zu bringen, haben immerhin dazu gef\u00fchrt, dass wir bei elementaren Segelkommandos keines Dolmetschers mehr bed\u00fcrfen. Was er mit \u201eS\u00e4schel s\u00e4tzen\u201c meint, hat selbst der Skipper mittlerweile begriffen. Wegen gef\u00fchlter latenter Diskriminierung und der st\u00e4ndigen Ann\u00e4herungsversuche seines Bettgenossen Kurt (die beiden teilen gezwungenerma\u00dfen eine Kabine) fordertOlaf immer h\u00e4ufiger die Errichtung eines antifaschistischen Schutzwalls in der Schiffsmitte. Ansonsten lebt er seine sublimierten Aggressionen dadurch aus, dass er eine Angelschnur nach der anderen ausbringt. Der Erfolg l\u00e4sst auch nicht lange auf sich warten. Eine etwa 95,7 g schwere Dorade, die sich zuf\u00e4llig in den K\u00f6der an einer der 37 nachgeschleppten, bordeigenen Angelschn\u00fcre verbei\u00dft, ist der verdiente Lohn eines langen Tages M\u00fchsal.<br \/>\nBabs, die einzige Dame an Bord, geht dem vorherrschend dummem M\u00e4nnergesabbel geschickt aus dem Weg, indem sie t\u00e4glich mindestens einen Roman verschlingt \u2013 allein auf dem Vorschiff. Womit sie sich selbst zur stolzen Galionsfigur unserer Rennyacht gemacht hat. Fortan tr\u00e4gt sie den Spitznamen \u201eGalli\u201c, nicht nur wegen ihrer exponierten Stellung. Sollte es bei Fehlverhalten der Mannschaft doch einmal n\u00f6tig sein, einzugreifen, wei\u00df sie als junge, engagierte P\u00e4dagogin selbstverst\u00e4ndlich, wie sie mit in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschr\u00e4nkten Rabauken umzugehen hat. Ein strenger Blick gen\u00fcgt \u2013 und der Haufen schweigt betreten. In besonders schweren F\u00e4llen greift sie zu ihrem schwersten Gesch\u00fctz: ein mehrfach ausgerufenes \u201eHallo &#8211; hallo &#8211; hallo\u201c verfehlt seine Wirkung nie. Als Nebeneffekt genie\u00dft Peter zunehmend die Achtung und das Mitleid seiner m\u00e4nnlichen Kumpane.<\/p>\n<p>Kurt, unser Smutje, dr\u00e4ngt uns rund um die Uhr seine Kochk\u00fcnste auf. Von erlesenen Vorspeisen \u00fcber exotische Aufl\u00e4ufe bis hin zu Apfel-Zimt-Cr\u00eapes m\u00fcssen wir widerspruchslos alles schlucken, was auf den Tisch kommt. Und das nicht zu knapp. Dabei haben wir solche Sehnsucht nach Konserven und Suppent\u00fcten. Doch Kurt kennt keine Gnade. \u201eWer nicht spurt, sp\u00fcrt Kurt,\u201c ist sein allseits gef\u00fcrchtetes Motto.<br \/>\nPeter, ein aufgrund seines fortgeschrittenen Alters nur noch bedingt einsetzbarer Leichtmatrose, glaubt immer noch, seine Sehnsucht nach unendlicher Weite und Freiheit auf dem Atlantik stillen zu k\u00f6nnen \u2013 am liebsten d\u00f6senderweise im nachgeschleppten Dinghi. Sei es mangels intellektueller F\u00e4higkeiten oder aufgrund angeborenen Starrsinns \u2013 zu der Einsicht, dass dieser Traum unter der Knute von Babs immer eine Illusion bleiben muss (s.o.), wird er zumindest auf diesem T\u00f6rn wohl nicht mehr gelangen.<br \/>\nHeiner M., unser Skipper, zeichnet sich einerseits durch einen \u00e4u\u00dferst r\u00fcden Umgangston &#8211; wie z.B. \u201eMeine Herren, wir haben noch eine Dame an Bord\u201c &#8211; und andererseits eine nervt\u00f6tende, weil \u00fcbertrieben penible Kommandosprache aus. \u201eLasst fallen, dat Ding\u201c hei\u00dft nicht mehr und nicht weniger, als dass der Anker auf den Grund abgesenkt werden soll. Damit k\u00f6nnte man ja noch leben, wenn er nicht jedem seiner gebr\u00fcllten Kommandos mit kr\u00e4ftigen Paddel-Hieben Nachdruck verleihen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Wir sind noch nicht lange unterwegs, da turnt bereits eine Schar Delphine um unser Boot herum. Sie scheinen Spa\u00df an ihrem Spielchen mit dem Plastikschiffchen zu haben. Olaf ist ganz aus dem H\u00e4uschen.<br \/>\nDer Wind aus NE ist gut, wir rauschen mit sechs Knoten der D\u00e4mmerung entgegen. Die Nachtwachen werden eingeteilt und wer m\u00fcde ist, versucht ein bisschen zu schlafen. Die anderen bleiben an Deck. Es ist einfach zu aufregend in der ersten Nacht auf dem endlosen Meer.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/media\/blogs\/index\/Kapverden2.JPG\" alt=\"Kapverden\" width=\"450p\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/media\/blogs\/index\/Kapverden3.JPG\" alt=\"Kapverden\" width=\"450p\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/media\/blogs\/index\/Kapverden4.JPG\" alt=\"Kapverden\" width=\"450p\" \/><\/p>\n<p><em><strong>Mittwoch, 07.12.,<\/strong><\/em>\u00a0wir fangen den ersten Fisch, nach Heiners \u00dcberzeugung eine Golddorade. Fliegende Fische fliegen in Scharen dicht \u00fcber die Wasseroberfl\u00e4che. Nachts sichten wir in der Ferne ein anderes Schiff, der Beleuchtung nach wohl ein gr\u00f6\u00dferes Maschinenfahrzeug. Aus dem Kurs schlie\u00dfen wir auf einen Fischer.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/media\/blogs\/index\/Atlantik1.JPG\" alt=\"Atlantik\" width=\"450p\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/media\/blogs\/index\/Atlantik2.JPG\" alt=\"Atlantik\" width=\"450p\" \/><br \/>\n<em><strong>Donnerstag, 08.12.,<\/strong><\/em>\u00a0angesichts der ruhigen See wagen wir es, den am Heck an einem langen Rohr montierten Windgenerator abzubauen und zu zerlegen. Das Mistst\u00fcck dreht sich wie der Teufel, produziert aber lediglich eine Spannung von max. 10 V. Das reicht nicht, um die Batterien zu laden. Leider k\u00f6nnen wir keinen Fehler finden. Der Himmel ist ziemlich bew\u00f6lkt, so dass auch die am Heck angebrachten Sonnenkollektoren nur bescheidene Leistung bringen.<br \/>\nWenigstens fangen wir wieder eine kleine Dorade.<\/p>\n<p><em><strong>Freitag, 09.12.,<\/strong><\/em>\u00a0Nachts zwei Schiffe gesichtet, Batterien v\u00f6llig entleert, mit Sonnenenergie wieder soweit aufgeladen, dass Maschine gestartet und Strom produziert werden kann. Dorade gefangen, Flaute, bedeckter Himmel.<\/p>\n<p><em><strong>Samstag, 10.12,,<\/strong><\/em>\u00a0weitgehend Flaute. Zahlreiche Versuche, durch unterschiedlichen Trimm und Setzen diverser Vorsegel, wie Gennaker und Spinnaker, den Kahn wieder in Schwung zu bringen, bleiben von Erfolg verschont. Mit solchen Experimenten sind wir fast den halben Tag besch\u00e4ftigt. Doch mehr als m\u00fcde zwei Knoten Fahrt sind nicht drin. Also ist Badetag angesagt. Das Atlantikwasser ist tiefblau und fast zu warm, um sich zu erfrischen. Dennoch tut\u2019s angesichts der heute enormen Hitze von etwa 30\u00b0 saugut, ein bisschen in dem klaren Nass zu plantschen. Um uns herum endlose Weite, unter uns unvorstellbare Tiefe (beinahe 6000 m!).<br \/>\nJeder darf (muss) sich von oben bis unten einseifen und auf der Badeplattform mit S\u00fc\u00dfwasser vom Salz befreien, bevor es wieder an Bord geht.<br \/>\nOlaf f\u00e4ngt schon wieder zwei Doraden. Das Abendessen ist gerettet.<br \/>\nDem Flautenproblem begegnen wir durch eine neuartige Rundumbesegelung: alles, was irgendwie nach Segeltuch aussieht, h\u00e4ngt jetzt drau\u00dfen. Sieht zwar bescheuert aus, aber immerhin d\u00fcsen wir nun mit 5 Knoten Richtung Kourou.<br \/>\nBabs findet die Nachtwachen ziemlich bl\u00f6d. Peter nicht. Ok, erm\u00fcdend ist\u2019s schon, nachts stundenlang in die Dunkelheit zu starren. Aber auch berauschend.<br \/>\nFortsetzung folgt.<\/p>\n<p><em><strong>Sonntag, 11.12.,<\/strong><\/em>\u00a0die halbe Nacht unter Maschine gefahren, weil sich ab ca. 2.30 Uhr kein L\u00fcftchen mehr regt. Das bedeutet leider auch, dass an Schlaf neben dem r\u00f6hrenden Motor nicht mehr zu denken ist. Daf\u00fcr gibt\u2019s als Entsch\u00e4digung ein f\u00fcrstliches Sonntagsfr\u00fchst\u00fcck mit gekochten Eiern. Anschlie\u00dfend ist Segelsetzen angesagt: erst das Gro\u00df, dann den Gennaker. Und siehe da, f\u00fcr etwa zwei Stunden k\u00f6nnen wir mit 5 Knoten durch die Wogen pfl\u00fcgen. Jetzt r\u00f6hrt wieder der alte Schwede. Kurt serviert soeben frisch gebackenes Brot.<br \/>\nZum Nachmittagstee wird Kuchen gereicht. Schade, dass nicht jeden Tag Sonntag ist.<br \/>\nLeider will heute kein Fisch anbei\u00dfen. Ruhetag eben.<br \/>\nAuf der Suche nach dem Fehler in der Windkraftanlage stellen wir fest, dass eine Batterieklemme v\u00f6llig zerbr\u00f6selt ist. Die Batterien befinden sich unter der Koje in der Achterkabine backbord. Macht echt Spa\u00df, bei 30\u00b0 und st\u00e4ndigem Rollen des Schiffes mit dem Kopf in der Kiste zu h\u00e4ngen und eine neue Klemme zu montieren. Zwar k\u00f6nnen wir mangels Wind nicht feststellen, ob Alex (so hei\u00dft der Windgenerator) jetzt Strom einspeist, aber das gesamte Bordnetz wartet pl\u00f6tzlich mit nie da gewesener Stabilit\u00e4t auf. Immerhin.<\/p>\n<p><em><strong>Montag, 12.12.,<\/strong><\/em>\u00a0der Wind hat leicht gedreht auf E\/SE und schiebt uns mit 4-5 Knoten weiter Richtung Kourou. Der Skipper br\u00fcllt soeben aus dem Bauch des Schiffes \u201eLeute, das erste Drittel haben wir geschafft!\u201c In der Tat liegen schon 633 Seemeilen hinter uns, bei einem Etmal zwischen 90 und 130 Meilen. Das ist nicht viel, so wenig Wind ist allerdings auch ungew\u00f6hnlich f\u00fcr diese Region. Andererseits bedeutet das nat\u00fcrlich entspanntes Segeln und ruhiges Schlafen.<br \/>\nOlaf K. berichtet aufgeregt von seinen n\u00e4chtlichen Abenteuern w\u00e4hrend der Fr\u00fchwache von 4.00 \u2013 7.00 Uhr Ortszeit. Zahllose Sternschuppen habe er gesehen, eine davon mit einem Schweif, der sich \u00fcber den halben Sternenhimmel gezogen habe. Am Kopf eine strahlende Kugel, direkt dahinter ein Feld zahlreicher kleiner Kugeln, \u00e4hnlich einer durch den Raum gleitenden Wunderkerze. Wir k\u00f6nnen ihn kaum wieder beruhigen.<br \/>\nAuf eindringlichen Wunsch von Babs f\u00f6rdert die Meerwasserentsalzungsanlage schon jetzt trinkbares Wasser in die Frischwassertanks, obwohl die Vorr\u00e4te noch ausreichend sind. Anschlie\u00dfend wird das Wasser aus den Tanks durch einen Aktivkohle-Filter gepumpt und in Plastikflaschen gef\u00fcllt. Sie ist nun mal vorsichtig, unsere Galionsfigur. Auff\u00e4llig ist, dass immer alle tun, was die Dame w\u00fcnscht.<\/p>\n<p><strong><em>Dienstag, 13.12.,<\/em><\/strong>\u00a0\u00fcber die Wellen geflogen sind wir heute Nacht. Und auch jetzt machen wir beinahe 7 Knoten Fahrt \u00fcber Grund. Herrlich! Nur der Preis daf\u00fcr ist hoch. An Schlaf ist nicht zu denken, die See ist sehr kabbelig, die Wellen scheinen h\u00f6her zu werden. Tags\u00fcber ist das wundersch\u00f6n, nachts kullert man nur durch die Koje.<br \/>\nLeider tut\u2019s der Windgenerator noch immer nicht, der Himmel ist bew\u00f6lkt und so werden wir wieder ein Energieproblem haben, wenngleich das Bordnetz (nach dem Austausch der Batterieklemme) tats\u00e4chlich stabiler geworden ist.<br \/>\nOlaf K. ist frustriert, weil er einfach keinen Fisch mehr f\u00e4ngt. Hin und wieder bei\u00dft zwar mal einer an, aber irgendwie rei\u00dfen die Viecher sich dann, kurz bevor sie an Bord gehievt werden, wieder los. Auch sein neuer Spitzname &#8211; \u201eAngelsachse\u201c &#8211; kann ihn da nicht aufmuntern.<br \/>\nAm fr\u00fchen Nachmittag ziehen Regenwolken auf. Wer ein Duschbad braucht, schnappt sich Seife und kommt aufs Vordeck. Kaum ist die Seife am K\u00f6rper, h\u00f6rt der Regen auf. Die letzten Tropfen, die am Vorsegel runterlaufen, reichen Babs soeben, um ihre Haare auszusp\u00fclen. Der Rest der Mannschaft \u00fcbt sich in Geduld und hofft auf weiteren Regen. Pustekuchen! Also wird das kostbare Trinkwasser genommen, um die K\u00f6rperpflege zu vollenden. Kaum sind alle gereinigt und getrocknet, f\u00e4ngt\u2019s richtig an zu sch\u00fctten. Nat\u00fcrlich kommt gleichzeitig ordentlich Wind auf, dummerweise dreht er auch noch von NE auf S, so dass wir Probleme mit unseren ausgebaumten Vorsegeln bekommen, wollen wir unseren aktuellen Kurs von 250\u00b0 halten. Eine Weile geht\u2019s erstaunlich gut.<br \/>\nGegen Abend f\u00e4ngt Olaf endlich wieder eine pr\u00e4chtige Dorade. Morgen stehen Sushi auf dem Speiseplan.<br \/>\nIn der Nacht dreht der Wind weiter und die Segelf\u00fchrung muss grundlegend ge\u00e4ndert werden. Da es sehr aufw\u00e4ndig w\u00e4re, die Backbordfock ganz abzuschlagen, l\u00e4sst Heiner uns die beiden Vorsegel auf Steuerbord \u00fcbereinander ziehen \u2013 unkonventionell, jedoch offensichtlich praktikabel. In das Gro\u00df wird das dritte Reff eingebunden und schon geht die Post ab, relativ hoch am Wind. Irgendwann in der Nacht dann wieder v\u00f6llige Flaute. Nach drei Stunden unter Maschine beginnt es wieder ordentlich zu blasen, bei sieben Beaufort d\u00fcsen wir mit 8 Knoten durch die Wellen, dem Morgen entgegen.<br \/>\nDas Dumme ist, dass wir im Moment kaum Schlaf finden.<\/p>\n<p><em><strong>Mittwoch, 14.12.,<\/strong><\/em>\u00a0Olafs Geburtstag. Unser Angelsachse wird 39. Angesichts der rauen See sieht es am Morgen allerdings so aus, als m\u00fcsste er auf einen Geburtstagskuchen verzichten. Es regnet und das Schiff geigt und rollt, dass es eine wahre Freude ist. Die Luft unter Deck steht. Die Stimmen derer, die da meinen, es reiche langsam, werden lauter. Dabei haben wir schon fast die H\u00e4lfte geschafft.<br \/>\nDie \u201etropische St\u00f6rung\u201c ist vor\u00fcber, der Wind hat deutlich nachgelassen, kommt aber immer noch aus S, auf den Nordostpassat ist eben auch kein Verlass mehr.<br \/>\nAm Nachmittag kommt Olaf doch noch zu seinem Geburtstagskuchen: Unser Skipper erfreut ihn und den Rest der Crew mit selbstgebackenen Muffins. Bei strahlendem Sonnenschein, ruhiger See und lauen Winden aus SW sitzen wir an Deck und feiern.<br \/>\nSeit gestern haben wir einen blinden Passagier an Bord. Ein vom langen Reisen offensichtlich ersch\u00f6pfter Basst\u00f6lpel (als solchen haben wir ihn jedenfalls identifiziert) hat sich auf dem Vordeck niedergelassen und scheint sich dort sauwohl zu f\u00fchlen. Jedenfalls schei\u00dft unser neues Haustier fr\u00f6hlich vor sich hin und verl\u00e4sst sein Pl\u00e4tzchen \u2013 demonstrativ genervt &#8211; nur beim Segelwechsel oder \u00fcberkommender See. Nach ein paar Runden landet es dann wieder an Deck und putzt sich stundenlang. Da wir uns mit V\u00f6geln nicht auskennen, werden seit gestern unentwegt Fachb\u00fccher gew\u00e4lzt und hei\u00dfe Diskussionen gef\u00fchrt. Mal sehen, was dabei rauskommt.<br \/>\nDer Abend findet einen w\u00fcrdigen Ausgang mit Sushi. K\u00f6stlich. Leider muss der alte Schwede wieder ran. Die Flautenwahrscheinlichkeit auf dem Atlantik liegt bei 0{05efa92186ddbf4793c971987d1a499c494cad0d9b443eae3f70c6b3bfa020b7}, liest Heiner mir gerade vor.<br \/>\nGute Nacht.<\/p>\n<p><em><strong>Donnerstag, 15.12.,\u00a0<\/strong><\/em>wir haben das Bergfest hinter uns! 950 Seemeilen sind jetzt noch zu bew\u00e4ltigen, bevor wir wieder sicheren Boden unter die F\u00fc\u00dfe bekommen. Meinetwegen k\u00f6nnten es auch noch 9500 sein. Es scheint diesbez\u00fcglich allerdings divergierende Meinungen an Bord zu geben. Einigkeit herrscht zum Gl\u00fcck in der \u00dcberzeugung, dass es nicht sinnvoll w\u00e4re, jetzt abzubrechen.<br \/>\nEndlich hat er uns wieder eingeholt, der hei\u00df ersehnte Nordostpassat. Seit heute Nacht 3.00 Uhr UTC schiebt er uns mit best\u00e4ndiger Brise aus NE durch den Atlantik. Zwar nicht rasend schnell, 4-5 Knoten zeigt die Logge, aber eben sehr konstant. \u00dcber dem Cockpit dient jetzt ein altes Laken als zus\u00e4tzlicher Sonnenschutz. Die Hitze nimmt zu, je weiter wir gen S\u00fcden kommen. Komisch.<br \/>\nHeiner serviert Kaiserschmarrn, anschlie\u00dfend gibt es Tee.<br \/>\nOlaf f\u00e4ngt schon wieder einen Fisch. Diesmal h\u00e4ngt ein Waahoo an der Angel, gebratener Fisch mit Reis steht heute abend auf dem Speiseplan.<br \/>\nSplitterfasernackt auf dem Vordeck liegen, Musik h\u00f6ren (der Refrain des aktuellen Titels lautet: erst wenn alles schei\u00dfegal ist, macht das Leben wieder Spa\u00df), dem Rauschen der Wellen lauschen, den M\u00fcll im Kopf \u00fcber Bord schmei\u00dfen \u2013 eben die Seele baumeln lassen, so habe ich mir die Atlantik\u00fcberquerung vorgestellt &#8211; nein so sch\u00f6n eigentlich nicht!<\/p>\n<p><em><strong>Freitag, 16.12.,\u00a0<\/strong><\/em>w\u00e4hrend der Nachtwache, gegen 4.00 Uhr, zerrt pl\u00f6tzlich ein m\u00e4chtiger Brocken an einer der ausgebrachten Angelschn\u00fcre. Ich habe schon Schwierigkeiten, ihn alleine ans Schiff heranzuziehen und wecke Olaf, der im Nu an Deck erscheint. Gemeinsam versuchen wir die riesige Dorade, als solche identifiziert sie Olafs geschultes Auge trotz Dunkelheit, an Bord zu hieven. Doch dann passiert, wie schon so manches Mal, das Malheur: in letzter Sekunde befreit sich das Tier, schon auf H\u00f6he der Seereling, durch verzweifeltes Zappeln vom Angelhaken. Gl\u00fcck f\u00fcr den Fisch \u2013 Pech f\u00fcr uns. An dem h\u00e4tten wir uns sicher mehrere Tage laben k\u00f6nnen.<br \/>\nDer Nordostpassat weht weiterhin konstant mit 4-5 Beaufort. Wir kommen gut voran.<br \/>\nUnser gr\u00f6\u00dftes Problem ist der Schlafmangel. Die See ist so unruhig, dass man in der Koje st\u00e4ndig hin- und herrollt. Und es wir immer hei\u00dfer.<br \/>\nAm Vormittag sichten wir seit Tagen das erste Schiff, backbord zieht in gro\u00dfer Entfernung ein Frachter mit Kurs SE an uns vorbei.<br \/>\nAbends sitzen wir, die gesamte Mannschaft, stundenlang im Cockpit und sabbeln dummes Zeug. Strammer Wind aus NE l\u00e4sst das Schiff nur so \u00fcber die Wogen fliegen. Weit und breit nur Meer, nichts als Meer. Herrlich!<\/p>\n<p><em><strong>Samstag, 17.12.,<\/strong><\/em>\u00a0ein grauer Morgen, der einem die Lust nimmt, aus der Koje zu kriechen. Wenigstens haben wir alle mal wieder etwas schlafen k\u00f6nnen.<br \/>\nFr\u00fchst\u00fcck findet unter Deck statt. Hitze, Feuchtigkeit, Mief und st\u00e4ndiges Rollen des Schiffes schaffen ein Klima, bei dem Babss Appetit sich in Grenzen h\u00e4lt. Sie verharrt vorl\u00e4ufig in der Horizontalen.<br \/>\nEnergie wird mal wieder knapp. Der Himmel ist schon geraume Zeit bedeckt, sodass auch von den Sonnenkollektoren kaum noch Leistung zu erwarten ist.<br \/>\n16.00 Uhr. Schon wieder ein riesiger Fisch an der Angel. Kurz bevor wir ihn an Deck ziehen k\u00f6nnen, kann er sich befreien. Wir werden wegen Dummheit noch verhungern m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong><em>Sonntag, 18.12.,<\/em><\/strong>\u00a0bereits gegen 0.00 Uhr beginnt es zu regnen und am fr\u00fchen Morgen sch\u00fcttet es erb\u00e4rmlich. Die Nachtwache ist durchgeweicht und beschwert sich beim Skipper \u00fcber das besch&#8230; Wetter. Konfrontiert mit den ersten Regressforderungen, wei\u00df der sich nicht anders zu helfen, als zu den Paddeln zu greifen. Die Crew spurt wieder, aber gleichzeitig klart der Himmel auf. Es lohnt sich doch, ab und zu mal zu meckern.<br \/>\nW\u00e4hrend der Fr\u00fchst\u00fcckszubereitung leistet sich Peter ein kleines Malheur, das ihn beinahe seinen Kopfschmuck kostet. Um einen Topf aus dem Schrank unter der Sp\u00fcle zu angeln, kniet er sich vor den Herd und kramt im Chaos. W\u00e4hrenddessen kocht auf dem Gasherd das Teewasser fr\u00f6hlich vor sich hin. Dummerweise l\u00e4sst D\u00f6rtita sich just in dem Moment von einer kr\u00e4ftigen B\u00f6e flachlegen. Eigentlich kein Problem, denn der Herd ist selbstverst\u00e4ndlich halb-kardanisch aufgeh\u00e4ngt und schwingt entsprechend gegen. Da der Wasserkessel aber randvoll und die Signalpfeife bereits entfernt ist, ergie\u00dft sich eine nicht unerhebliche Menge kochenden Wassers \u00fcber das Haupt des betagten Leichtmatrosen.<br \/>\nSein Skalp h\u00e4ngt jetzt zum Trocknen und Regenerieren am Heckkorb.<br \/>\nDann endlich gelingt der gro\u00dfe Fang: einen knapp 1,10 m langen und beinahe 7 kg schweren Waahoo bringen wir dieses Mal, dank ausgefeilter Technik, sicher an Deck.<br \/>\nKurt zaubert daraus phantastisch schmeckende Steaks. F\u00fcr morgen wird das Filet in der K\u00fchlbox verstaut und \u00fcbermorgen kommt Fischpfanne auf den Tisch.<br \/>\nUnd es regnet und regnet und regnet&#8230;<br \/>\nDer Wind dreht mal wieder auf\u00a0 SE, wir segeln fortan mit halbem Wind.<br \/>\nUnter Deck liegt die Luftfeuchtigkeit bei 80{05efa92186ddbf4793c971987d1a499c494cad0d9b443eae3f70c6b3bfa020b7}, die Temperatur pendelt um 29\u00b0-30\u00b0. Alle Luken sind geschlossen. Wann haben wir das letzte Mal geduscht?<\/p>\n<p><em><strong>Montag,19.12.,<\/strong><\/em>\u00a0der Tag beginnt, wie der Vortag endet: mit einer gespenstischen Fahrt durch absolute Dunkelheit. Die Nacht ist so schwarz, dass man die Hand vor den Augen nicht sehen kann. Kein L\u00fcftchen regt sich, der alte Schwede m\u00fcht sich redlich, was auch unseren Batterien zugute kommt. Selbstverst\u00e4ndlich lassen wir das Radarger\u00e4t laufen, dennoch bleibt ein seltsames Gef\u00fchl.<br \/>\nBei schwachen Winden am fr\u00fchen Nachmittag wird mal wieder ein Badestopp eingelegt. Kaum sind wir im Wasser, passiert uns von steuerbord voraus mit Fahrtrichtung S ein Frachter im Abstand von einer knappen Seemeile.<br \/>\nAnschlie\u00dfend fr\u00f6nen wir der V\u00f6llerei: Fischfilet in Knoblauchbutter gebraten, Vanillepudding mit Birnen, selbstgebackener Kuchen zum T\u00e4sschen Tee &#8211; und das alles wird aufgetischt im Cockpit, bei strahlendem Sonnenschein, glatter See und moderaten Winden um 3-4 Beaufort. Da sollen die Landratten nicht neidisch werden?<br \/>\nWeniger Neid d\u00fcrfte aufkommen angesichts der Plackerei, mit der uns der Skipper jeden Tag zu vermiesen wei\u00df: Segelwechsel im F\u00fcnfzehnminutenrhythmus, Rumpfreinigung (des Bootes!), Reparatur des maroden Seelenverk\u00e4ufers an allen Ecken und Enden (z.B. Au\u00dfenborder, Windgenerator usw.), K\u00fcchendienst, B\u00e4der reinigen, Sprayhood flicken, um nur einige der st\u00e4ndig zu bew\u00e4ltigenden Aufgaben zu nennen. Dabei beschleicht einen das ungute Gef\u00fchl, dass viele der sogenannten Reparaturen gar nicht zu bewerkstelligen sind, weil schlicht und ergreifend die erforderlichen Teile fehlen. Die meisten dieser Ersatzteile und Wartungssets \u2013 so wird gemutma\u00dft \u2013 fristen wohl, vorausschauend schon vor Jahren auf Lager gelegt, in Heiners Keller ein trauriges Dasein. Was der nat\u00fcrlich wei\u00df, aber eben f\u00fcr sich beh\u00e4lt. Wenn die komplizierten Ger\u00e4tschaften zerlegt und wieder zusammengebaut sind, verr\u00e4t sich der Skipper dann und wann durch ein unschuldiges Grinsen und die Feststellung, wie dumm es doch sei, immer die falschen Teile mit auf gro\u00dfe Fahrt zu nehmen. Kostet ja auch immer nur einen halben Tag Arbeit \u2013 und der M\u00f6chtegernfuchs hat seine Ruhe, liegt in der Koje und schm\u00f6kert.<br \/>\nBabs, unsere Galionsfigur, ficht das alles nicht an, sie liest und liest und liest. Und erfreut uns mit ihrer grenzenlosen Anmut.<\/p>\n<p><em><strong>Dienstag, 20.12.,<\/strong><\/em>\u00a0bei ruhiger See und 6-7 Beaufort Wind surfen wir durch die Nacht. Nicht selten verharrt die Logge bei 8 Knoten. Der Himmel ist gr\u00f6\u00dftenteils klar, leider taucht der Mond die Nacht wieder in taghelles Licht, sodass nicht alle Sterne zu sehen sind.<br \/>\nBei gutem Wind machen wir ordentlich Strecke. Nur noch etwa 280 Seemeilen bis Kourou.<br \/>\nEiner der bisher hei\u00dfesten Tage. Nirgends findet man Abk\u00fchlung. Schlafen ist nach wie vor schwierig, egal ob bei Nacht oder bei Tage.<br \/>\nBedauerlicherweise ist unser Versuch, das GPS zu reparieren, nicht von Erfolg gekr\u00f6nt. Ein entscheidendes Teil fehlt (s.o.). Zum Gl\u00fcck gib es ein zweites Ger\u00e4t an Bord, au\u00dferdem noch mehrere Handempf\u00e4nger. Ich frage mich, wie die alten Seefahrer ihre Ziele gefunden haben.<br \/>\nNach einer ausgezeichneten Fischpfanne sitzen wir genudelt und abgeschlafft hier herum und hoffen darauf, dass der Abend etwas Abk\u00fchlung bringt.<br \/>\nDer Diesel r\u00f6hrt zwischen den Achterkabinen &#8211; nur zur Stromerzeugung! Denn der Passatwind weht seit gestern sehr konstant.<\/p>\n<p>Oh weh, oh weh, oh weh, da habe ich mir ja einen Fauxpas geleistet. Heiner ist ziemlich gekr\u00e4nkt, weil ich D\u00f6rtita als maroden Seelenverk\u00e4ufer bezeichnet habe. Auch wenn ich mir sicher bin, dass Ihr versteht, wie ich das meine, m\u00f6chte ich hier noch einmal klarstellen: ebenso wenig, wie Heiner ein mit Paddeln um sich schlagender Skipper ist, ist D\u00f6rtita ein maroder Seelenverk\u00e4ufer. Ich verspreche, ich werde mich im Interesse objektiver Berichterstattung in Zukunft m\u00e4\u00dfigen.<\/p>\n<p><em><strong>Mittwoch, 21.12.,<\/strong><\/em>\u00a0abwechslungsreiche Nacht mit mehreren durchziehenden Fronten. Die sich st\u00e4ndig \u00e4ndernden Windrichtungen zwingen uns zu entsprechenden Kursanpassungen, denn wir werden einen Teufel tun und nachts auf dem Vordeck rumturnen, um die Passatbesegelung umzubauen.<br \/>\nWieder ein sehr hei\u00dfer Tag. Die Butter schmilzt auf dem kurzen Weg von der K\u00fchlbox bis zum Tisch vollst\u00e4ndig, l\u00e4uft aus der Butterdose in die Bilge und verteilt sich so im ganzen Schiff. Tee wird zubereitet, indem der Teebeutel einfach unter den Wasserhahn, aus dem bereits kochendes Wasser l\u00e4uft, gehalten wird. Olaf ist sauer, weil die Fische, die er m\u00fchsam an Deck zerrt, bereits gekocht sind. Mit anderen Worten, der Atlantik ist im Moment eine einzige Bouillabaisse. Und wir mittendrin! Zum Gl\u00fcck wirkt sich die Hitze nicht auf unseren k\u00fchlen Verstand aus.<br \/>\nWasser wird knapp, die Tanks sind bald leer (bisheriger Verbrauch: ca. 10ltr\/Person\/Tag). Kein Problem, wir m\u00fcssen ja nur die Meerwasserentsalzungsanlage in Betrieb nehmen. Dazu muss der alte Schwede angeschmissen werden, mit dem wir aber eigentlich Strom erzeugen m\u00fcssten. Denn Energie ist nach wie vor Mangelware an Bord. Beides gleichzeitig erfordert lange Laufzeiten. Im Moment wird dar\u00fcber diskutiert, ob wir lieber bei Festbeleuchtung, mit laufenden Notebooks, K\u00fchlboxen, Stereo-Anlagen und rund um die Uhr blasenden Haarf\u00f6ns verdursten oder uns im Dunkeln an dem k\u00fchlen Nass laben wollen. Zur Zeit steht\u2019s 50:50.<\/p>\n<p><em><strong>Donnerstag, 22.12.,<\/strong><\/em>wieder werden wir von einigen Fronten eingeholt und zu Kurskorrekturen gezwungen. Heiner und Olaf haben das Gl\u00fcck, w\u00e4hrend der Nachtwache in gro\u00dfer Entfernung einen Raketenstart beobachten zu k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen also nicht v\u00f6llig falsch liegen mit unserer Navigation. Kurz darauf glaubt Babs, die erste Stufe am Nachthimmel vergl\u00fchen zu sehen. Kourou ahoi!<br \/>\nDer Morgen beginnt mit Kommunikationsschwierigkeiten: Heiner reagiert auf Olafs Frage: \u201eSollschdeegochn\u201c mit einem hilflosen Schulterzucken: \u201eWat is los?\u201c Nach dem dritten verzweifelten Versuch, dem Skipper sein Anliegen nahe zu bringen, bittet Olaf Kurt um \u00dcbersetzungshilfe. Und schon ist alles klar.<br \/>\nErfolgreichster Fang seit Beginn unserer Reise: Olaf fischt 3 Doraden und eine K\u00f6nigs-Makrele aus dem jetzt nicht mehr ganz so tiefen Wasser (um die 60m).<br \/>\nTags\u00fcber weht der Wind relativ konstant mit 4-6 Beaufort aus E\/NE, zus\u00e4tzlich werden wir von einem kr\u00e4ftigen Strom (1-2 Knoten) angeschoben, sodass wir voraussichtlich eher als geplant Franz\u00f6sisch Guyana, resp. die Iles du Salut, eine Kourou vorgelagerte Inselgruppe, erreichen werden.<br \/>\n15.15 Uhr Ortszeit (MEZ \u2013 4Std.): \u201eLand in Sicht\u201c, br\u00fcllt Olaf als erster. In der Tat sehen wir steuerbord voraus eine Erhebung aus dem Meer aufragen. Und je n\u00e4her wir kommen, desto deutlicher zeichnet sich die Inselgruppe ab. Die Iles du Salut bestehen aus dem Hauptinselchen Ile Royal und den beiden Miniinseln Ile du Diable und Ile Saint-Joseph.<br \/>\nGegen 18.00 Uhr werfen wir den Anker in einer Bucht vor der Ile Royal. Nach dem obligatorischen Ankunftsschluck aus der Rumbuddel werden Babs, Olaf und Peter verpflichtet, das Land zu erkunden. Also ab ins Dinghi und ordentlich gepullt. Nach wenigen Minuten machen wir an dem exotischen Eiland fest. Olaf hat Angst, seinen Fu\u00df auf den fremden Boden zu setzen, weil er glaubt, bei der Ansteuerung der Insel gesehen zu haben, wie eine Gruppe Eingeborener um einen Kochtopf tanzte.<br \/>\nEin erhebendes Gef\u00fchl, nach 16 Tagen auf See wieder Land zu betreten. Wir schwanken zwar ziemlich, aber nach ein paar Metern geht\u2019s dann wieder. Am Ufer stehen einige flache Geb\u00e4ude, die zum Teil Verwaltung, zum Teil die Wasser- und Energieversorgung zu beherbergen scheinen. Etwas h\u00f6her gelegen sind inmitten von Palmen einige Wohnh\u00e4user auszumachen. An dem ersten Tor wird angeklopft, die letzten Franz\u00f6sischkenntnisse werden zusammengekramt und siehe da, es gelingt uns, einige wichtige Informationen zu ergattern: die wichtigste ist die, dass es hier nichts zu kaufen gibt, die zweitwichtigste, dass sich hoch droben auf dem Inselchen ein Restaurant befindet. Die folgende, ausgedehnte Bergtour endet nach 10 Minuten vor einem beeindruckenden Geb\u00e4ude im Kolonialstil. Tats\u00e4chlich werden hier erlesene Speisen feilgeboten, allerdings erst am Abend. Wir begn\u00fcgen uns mit einigen Dosen Bier zu 3 Euro das D\u00f6schen und schleppen die reiche Beute bei einbrechender Dunkelheit zur\u00fcck zum Schiff.<br \/>\nDas anschlie\u00dfende Gelage mit entsprechenden Ausf\u00e4llen soll hier nicht n\u00e4her beschrieben werden.<\/p>\n<p><em><strong>Freitag, 23.12.,<\/strong><\/em>\u00a0wir verlassen gegen 10.00 Uhr unseren Ankerplatz und machen uns auf den Weg zum Festland. Von Kourou trennen uns nur etwa 9 Seemeilen. Die Ansteuerung erfordert wegen der geringen Wassertiefe schon einiges an Aufmerksamkeit. Zum Gl\u00fcck sind wir mit Kartenmaterial bestens versorgt: erst einen Tag vor unserem Abflug aus Deutschland ist die franz\u00f6sische Seekarte \u201eApproches de Kourou\u201c, \u00fcbers Internet in den USA geordert, in Oerel-Barchel eingetroffen. Nach der festen \u00dcberzeugung des Skippers hat sie unser aller Leben gerettet.<br \/>\nWir fahren auf einem sich ebenfalls Kourou nennenden Fl\u00fcsschen ein St\u00fcck landeinw\u00e4rts und ankern vor einem Steg, an dem Fischer soeben ihre fette Beute entladen und zerlegen. Der Himmel zieht sich bedrohlich schwarz zu. Ein Bild, das uns schon nach einem halben Tag vertraut erscheinen wird. Immer wieder von strahlendem Sonnenschein unterbrochen, schieben sich dunkle Wolken \u00fcber das Land und es sch\u00fcttet binnen Sekunden wie aus K\u00fcbeln. Regenzeit in Franz\u00f6sisch Guyana, wie wir am Abend erfahren.<br \/>\nDer erste Landgang ist eine kleine Entt\u00e4uschung, hatten wir doch eine bl\u00fchende Metropole um die Raketenbasis herum erwartet. Stattdessen eine Ansammlung bescheidener H\u00e4uschen, einige Superm\u00e4rkte, die meisten davon fest in chinesischer(!) Hand, jede Menge Caf\u00e9s und Restaurants und eine gelassene, freundliche, vorwiegend schwarze Bev\u00f6lkerung. Wir sind relativ weit entfernt vom Zentrum, so es ein solches \u00fcberhaupt gibt. Und der Weltraumbahnhof liegt ohnehin jwd.<br \/>\nDer erste Gro\u00dfeinkauf wird tapfer durchgezogen. Eine irre Schlepperei, nicht nur, weil der Proviant f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage auf See gebunkert werden muss, nein, auch die bevorstehenden Weihnachtsfeiertagsfressorgien erfordern Unmengen an Rohstoffen. Verst\u00e4ndigungsschwierigkeiten mit der chinesischen, franz\u00f6sisch sprechenden Kassiererin werden bravour\u00f6s in Mandarin gemeistert, was die gute Frau sichtlich erfreut.<br \/>\nAbends g\u00f6nnen wir uns ein ausgezeichnetes Mahl in einem marokkanischen Restaurant, drau\u00dfen sitzend, dennoch gut gesch\u00fctzt vor den herabst\u00fcrzenden Wassermassen.<br \/>\nSchreck mitten in der Nacht: Heiner pr\u00fcgelt die Crew an Deck, alldieweil unser Schiffchen nicht mehr dort liegt, wo wir glaubten, es sicher vert\u00e4ut zu haben. Der Anker hat sich aus dem Schlick befreit und l\u00e4sst D\u00f6rtita flussabw\u00e4rts gleiten, sachte zwar und netterweise zwischen den andern Ankerliegern hindurch, dennoch nicht ganz in unserem Sinne. Also, hoch mit dem eigenwilligen Eisen und erneute Suche nach haltbarem Untergrund.<br \/>\nWoran merkt man, dass man abdriftet? Der Skipper hat\u2019s im Urin &#8211; hat eben anders gepl\u00e4tschert.<br \/>\nLeider qu\u00e4len uns an Bord Myriaden von Moskitos, die w\u00e4hrend der Nacht aus uns f\u00fcnf Weltenbummlern ansehnliche Streuselkuchen zaubern. Am n\u00e4chsten Morgen wird gez\u00e4hlt, wer mit den meisten Beulen aufwarten kann. Ein Sieger ist jedoch nicht auszumachen, da wir bei 837.911 die Bestandsaufnahme abbrechen.<\/p>\n<p><em><strong>Samstag, 24.12.,<\/strong><\/em>\u00a0Anker auf gegen 11.00 Uhr, nachdem noch einmal Lebensmittel f\u00fcr f\u00fcnf Kompanien in D\u00f6rtitas schier unendlichen Lagerr\u00e4umen verstaut und mehrere hundert Liter Wasser (diesmal zum Gl\u00fcck per Schlauch) gebunkert worden sind. Wir verlassen Kourou, wie sollte es auch anders sein, bei Regen und peilen erneut die Iles du Salut an, um dort Heiligabend zu verbringen. Zwei Stunden sp\u00e4ter ankern wir wieder in vertrauter Umgebung. Und der Spuk mit dem heftigen Regen und den uns wohlgesonnenen Moskitos ist auch vorbei!<br \/>\nEin mehrst\u00fcndiger Rundgang \u00fcber die Ile Royal, die fr\u00fcher als Gef\u00e4ngnisinsel gedient hat (hier soll auch Papillon gedreht worden sein), befriedigt unsere motorischen Bed\u00fcrfnisse wie unsere kulturellen gleicherma\u00dfen.<br \/>\nZur Belohnung gibt es dann am Abend ein von Babs und Kurt gezaubertes Men\u00fc, bestehend aus frischem Salat, frischem Fischfilet in Wei\u00dfwein-Senf-Sauce und frischem Obstsalat. K\u00f6stlich, um nicht zu sagen, himmlisch.<\/p>\n<p><em><strong>Sonntag, 25.12.:<\/strong><\/em>\u00a0Abschied von den Iles du Salut. Davor g\u00f6nnen wir uns jedoch, nach einem entspannten Vormittag, ein weiteres Weihnachtsfestessen. Von unserem Smutje in stundenlanger Handarbeit gefertigte Kartoffelkl\u00f6\u00dfe werden zu gebratener Entenbrust und Apfel-Zwiebelgem\u00fcse gereicht. Ein kulinarischer H\u00f6hepunkt jagt den anderen. Wie soll das nur enden?<br \/>\nGegen 15.00 Uhr nehmen wir dann Kurs auf Tobago. 305\u00b0 werden wir in den n\u00e4chsten Tagen steuern, das hei\u00dft, vorwiegend mit halbem Wind segeln.<br \/>\nKaum sind wir aus der Abdeckung der drei Inseln heraus, legt D\u00f6rtita los. Bei etwa 5 Beaufort aus NE neigt sie sich leicht nach Backbord und fliegt \u00fcber die Wellen. Wenn das so weiter geht, sind wir in drei Tagen am Ziel.<br \/>\nDer Wind bleibt auch \u00fcber Nacht erstaunlich konstant und l\u00e4sst uns verdammt schnell vorankommen.<br \/>\nEtwas anstrengend ist das st\u00e4ndige Segeln auf Backbordbug schon. Insbesondere die Benutzung der Steuerbordtoilette erfordert Geschick und Geduld. An die Verlagerung des K\u00f6rpergewichtes auf die linke Ges\u00e4\u00dfbacke, bei gleichzeitigem Abst\u00fctzen mit der linken Hand an der WC-T\u00fcr (was nur solange gut geht, wie ausnahmslos von allen die Grundregel des Anklopfens an die nicht verschlie\u00dfbare T\u00fcr der Nasszelle beherzigt wird) und fixieren des WC-Deckels mit der Rechten, unter Beachtung des begrenzten Spielraums des WC-Beckens f\u00fcr die bei einigen Benutzern frei schwingenden Extremit\u00e4ten, gew\u00f6hnt man sich schnell. Leichter in Not ger\u00e4t man bei dem verzweifelten Versuch, die einseitig eingelagerten Produkte mit der vorwiegend Luft saugenden &#8211; weil dem Meerwasser entr\u00fcckten -Pumpvorrichtung in die Tiefen des Ozeans zu bef\u00f6rdern.<br \/>\nNicht weniger schwierig gestalten sich Zubereitung und Einnahme der Mahlzeiten. Sch\u00f6n ist es f\u00fcr einen Teil der Crew nur des Nachts: Babs liegt jetzt immer auf mir. Kurt und Olaf sind bez\u00fcglich der Bettl\u00e4gerigkeit komischerweise anderer Meinung.<\/p>\n<p><em><strong>Montag, 26.12.:<\/strong><\/em>\u00a0Heiner wird gegen Ende seiner Fr\u00fchwache von einer spanischen Makrele durch ungeduldiges Zappeln an der nachgeschleppten Angelschnur aus dem Tiefschlaf gerissen. Allein hievt er das Fischchen an Bord. Als wir aus unserem s\u00fc\u00dfen Schlummer erwachen, ist Kurt bereits damit besch\u00e4ftigt, das gute St\u00fcck (nicht Heiner &#8211; den Fisch!) zu filettieren.<br \/>\nDann wird zum Fr\u00fchst\u00fcck auf Backbordbug geblasen. Das bedeutet, Essen fassen an einem Fr\u00fchst\u00fcckstisch, der um eine Schr\u00e4glage zwischen 15\u00b0 und 35\u00b0 pendelt. Konsequenz: Kaffee und Tee werden grunds\u00e4tzlich \u00fcber die Tassen hinausgegossen und sammeln sich in den Sitzpolstern (die dann allerdings sp\u00e4ter nach Bedarf &#8211; zum Beispiel w\u00e4hrend der Nachtwache &#8211; ausgelutscht werden k\u00f6nnen). Butter, K\u00e4se, Wurst und Marmelade sausen, indes man damit besch\u00e4ftigt ist, die Milcht\u00fcte und seinen Teller festzuhalten, den Getr\u00e4nken hinterher und verteilen sich gro\u00dffl\u00e4chig auf den zur Feier des Tages frisch gewaschenen Shorts. Damit die wertvollen Lebensmittel nicht auf dem Boden landen, kneift ein jeder reaktionsschnell die Beine zusammen. Wenn alles optimal l\u00e4uft, fixieren die zum Schluss sich in Bewegung setzenden Messer die Salami dann im Oberschenkel. Gleichzeitig versetzt einem der Tischnachbar, in der guten Absicht, das im Sturzflug nahende Fr\u00fchst\u00fccksei vor dem sicheren Zerschellen an einer gest\u00e4hlten M\u00e4nnerbrust zu retten, soeben mit seiner Rechten einen kr\u00e4ftigen Hieb in die Rippen.<br \/>\nEs gibt auch Crewmitgliederinnen, die wohlweislich die Nahrungsaufnahme im Cockpit, allein und an der frischen Luft, bevorzugen. Namen werden nicht genannt.<br \/>\nUm keine Langeweile aufkommen zu lassen, wird der Windgenerator noch einmal zerlegt und wieder eingebaut. Jetzt verweigert er sich vollst\u00e4ndig.<br \/>\nUnd D\u00f6rtita surft unbeirrbar Tobago entgegen.<\/p>\n<p><em><strong>Dienstag, 27.12.,<\/strong><\/em>\u00a0eine ruhige Nacht mit konstanten Winden, die beinahe den ganzen Tag anhalten. Hei\u00df, zu hei\u00df strahlt die Sonne und setzt die Crew weitgehend matt. Bis auf den Skipper. Auch wenn sein Nachname etwas anderes erwarten l\u00e4sst: Heiner f\u00e4llt nie matt.<br \/>\nKurt opfert sich der Hitze zum Trotz und zaubert in der Pantry ein delizi\u00f6ses Mahl. Lammkeule (entbeint!) mit Karotten, Auberginen und Kartoffeln wird am fr\u00fchen Abend auf dem Cockpittisch kredenzt. Dazu empfiehlt der K\u00fcchenchef einen trockenen Roten. So speist man mitten auf dem Atlantik eben.<\/p>\n<p><em><strong>Mittwoch, 28.12.,\u00a0<\/strong><\/em>ganz anders hingegen diese Nacht: ein Tief nach dem anderen zieht \u00fcber uns hinweg und bringt raue See und heftigen Wind mit sich. In B\u00f6en messen wir bis zu 38 Knoten, also 8 Beaufort. Und st\u00e4ndig \u00e4ndert sich, das liegt nun mal in der Natur der Sache, die Windrichtung. Da wir die zur Segelanpassung notwendige Rumturnerei auf dem Vordeck nachts m\u00f6glichst vermeiden wollen, versuchen wir es erst einmal mit Kurs\u00e4nderungen. Geht aber nur begrenzt, schlie\u00dflich k\u00f6nnen und wollen wir ja nicht Slalom fahren.<br \/>\nTags\u00fcber wird\u2019s zun\u00e4chst nicht besser. Viel Wind und hohe Wellen erschweren nicht nur, wie bereits an anderer Stelle ausf\u00fchrlich dargestellt, die Nahrungszubereitung, -aufnahme und -entsorgung, sondern f\u00fchren, in Kombination mit st\u00e4ndigem Regen und dramatischer Abk\u00fchlung auf 26,4\u00b0 C, auch zu Missstimmung in der Weichei-Fraktion.<br \/>\nDaf\u00fcr kommen wir wenigstens flott voran.<br \/>\nAm Nachmittag dann wieder Sonne satt. Die See hat sich beruhigt, der Wind pustet gleichm\u00e4\u00dfig mit 5-6 Beaufort und gibt D\u00f6rtita die Sporen.<\/p>\n<p><em><strong>Donnerstag, 29.12.,\u00a0<\/strong><\/em>segeln wie im Bilderbuch: strahlender Himmel, blaue Wogen, phantastischer Wind. Unbeschreiblich sch\u00f6n (finden einige Unerm\u00fcdliche an Bord)! Wir fliegen auf Tobago zu.<br \/>\nGier nach allem, was sie auf hoher See nicht haben k\u00f6nnen, l\u00e4sst die kindlichen Gem\u00fcter unruhig werden. Insbesondere der Hei\u00dfhunger auf Schokolade, riesige Portionen Vanilleeis mit hei\u00dfen Himbeeren, frisches Obst und eisgek\u00fchlte Getr\u00e4nke nimmt dramatische Ausma\u00dfe an. Die wenigen frischen Lebensmittel, mit denen wir uns bevorratet haben, m\u00fcssen entweder innerhalb k\u00fcrzester Zeit verwertet oder nach wenigen Tagen direkt ins Meer entsorgt werden. Freundlicherweise senden sie bei nicht rechtzeitiger Verarbeitung so unmissverst\u00e4ndliche olfaktorische Signale aus, dass es nur in den ersten Tagen, mangels Erfahrung, zu Dissonanzen zwischen den Crewmitgliedern kommt, die meinen, durch lautstarke Diskussionen \u00fcber das Verfallsdatum von Deo-Rollern das Geruchsproblem diskret aus der Welt schaffen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nSchreck am Nachmittag: ein lautes Knackger\u00e4usch, w\u00e4hrend der gesamte Haufen im Cockpit sitzt und sich an D\u00f6rtitas atemberaubenden Tempo durch die tosenden Atlantikwellen berauscht, l\u00e4sst den Skipper zusammenzucken. Er eilt nach vorne und ruft: \u201eSch&#8230;\u201c.<br \/>\nDas Baby-Stag (ein f\u00fcr die Stabilit\u00e4t des Mastes nicht ganz unwichtiges Drahtseil)<br \/>\nhat sich verabschiedet. Abfangen k\u00f6nnen wir die Kr\u00e4fte durch das Kutter-Stag und ein nach vorn gespanntes Fall, zumindest provisorisch. Zum Gl\u00fcck sind es ja nur noch etwa 30 Seemeilen bis Tobago. Dort werden wir das zerfetzte Stag austauschen, denn Heiner hat, selbstverst\u00e4ndlich, Ersatz an Bord.<br \/>\nAm fr\u00fchen Abend haben wir endlich Land in Sicht. Die Ansteuerung im Dunkeln ist recht anspruchsvoll. Untiefen links und rechts unseres Ziels, der Hauptstadt Scarborough, und starke Str\u00f6mung, sowie westliche Winde sind eine echte Herausforderung. Dummerweise stimmt die Befeuerung nicht mehr mit den Angaben in der Seekarte \u00fcberein, was uns einen Moment lang etwas irritiert. Aber zehn wache Augen an Deck finden auch in fremder Umgebung, bei sonst sehr guten Bedingungen, sicher ihr Ziel. Um 23.15 Uhr Ortszeit f\u00e4llt der Anker. Wir haben es geschafft, wir sind in der Karibik gelandet.<\/p>\n<p><em><strong>Freitag, 30.12.,<\/strong><\/em>\u00a0erster Landgang zum Einklarieren und Einkaufen. Heiner macht sich zusammen mit Olaf auf den Weg, um Schiff und Besatzung ordnungsgem\u00e4\u00df bei der Hafenbeh\u00f6rde und beim Zoll anzumelden. Die Prozedur ist recht zeitaufw\u00e4ndig, vor allem deshalb, weil man dem Skipper gegen\u00fcber darauf besteht, jedes einzelne Crewmitglied pers\u00f6nlich vorgef\u00fchrt zu bekommen. Also kehrt Olaf zur\u00fcck zum Schiff und sackt den kl\u00e4glichen Rest ein. Nach grobem Vergleich zwischen Passfoto und zugeh\u00f6rigem Antlitz erh\u00e4lt jeder seinen Einreisestempel, immerhin geb\u00fchrenfrei. Dann marschieren wir zum Zoll. Dort werden die obligatorischen Zollerkl\u00e4rungen ausgef\u00fcllt und 37,- US-Dollar auf den Tisch gebl\u00e4ttert. Jetzt sind wir offiziell eingereist und d\u00fcrfen uns frei auf und um Tobago herum bewegen.<br \/>\nEinkaufen mit f\u00fcnf Leuten, diese Erfahrung haben wir schon in Sal und Kourou gemacht, ist nicht ganz so einfach. Irgendwie kriegen wir es aber hin.<br \/>\nDie Atmosph\u00e4re in Scarborough ist stark. Alles wirkt beschwingt und locker (von der wohl \u00fcberall auf der Welt \u00e4hnlich formalen und steifen Beh\u00f6rdenatmosph\u00e4re mal abgesehen) und ein bisschen improvisiert. Aber nicht \u00e4rmlich, so wie in Sal. Die F\u00e4higkeit, den Dingen ihren Lauf zu lassen, erscheint deutlich ausgepr\u00e4gter als bei uns. Und, wie sollte es auch anders sein, Reggae, wohin die Ohren lauschen. Manche Kleinlaster scheinen ausschlie\u00dflich dem Zweck zu dienen, \u00fcberdimensionale Lautsprecher durch die Gegend zu kutschieren, aus denen ohrenbet\u00e4ubend laute Musik schallt.<br \/>\nDie Menschen begegnen uns freundlich, wenngleich nicht unbedingt herzlich. Warum sollten sie auch, eingedenk ihrer wechselhaften Geschichte, in der die Wei\u00dfen nicht gerade eine ruhmreiche Rolle gespielt haben.<br \/>\nSp\u00e4ter ist Arbeitsteilung angesagt. Heiner, Kurt und Olaf haben den Nachmittag und Abend zur freien Verf\u00fcgung, w\u00e4hrend sich Babs und Peter auf den Weg in den S\u00fcden der Insel, nach Crown Point, machen. Zum einen, um schmutzige W\u00e4sche zu waschen (in einer W\u00e4scherei), zum anderen, um endlich das Geschenk von Uschi und Volker in die Tat umzusetzen: die beiden waren so reizend, eine Nacht im Hotel inklusive Abendessen zu spendieren. Eine kurze Auszeit nach all den Strapazen in den letzten Wochen auf hoher See \u2013 eine gro\u00dfartige Idee (Details werden nach unserer R\u00fcckkehr exklusiv berichtet werden, an dieser Stelle schon mal 1000 Dank!).<\/p>\n<p><strong><em>Samstag, 31.12.:<\/em><\/strong>\u00a0Weiterreise. Babs und Peter kehren zur\u00fcck aus den Flitterwochen und finden sich, wie vom Skipper verlangt, um 10.30 wieder an Bord ein. Anker auf, lautet das Kommando schon kurz darauf. Wohin geht\u2019s wohl? Richtig, nach Crown Point, weil dort eine oder vielleicht auch mehrere gro\u00dfe Sylvesterparty(s) stattfinden soll(en). Scheint zun\u00e4chst etwas bescheuert, h\u00e4tten die beiden ja auch gleich dort bleiben k\u00f6nnen. War aber alles nicht so genau abgesprochen und au\u00dferdem soll D\u00f6rtita nicht einen einzigen Meter mit unvollst\u00e4ndiger Mannschaft um die Insel surfen.<br \/>\nNach zwei Stunden erreichen wir Crown Point. In der Bucht liegen nicht wenige Segler, die angek\u00fcndigten Festivit\u00e4ten scheinen anziehend zu wirken.<br \/>\nAngesichts des Klimas und der Kulisse will jedoch keine rechte Jahresendfeststimmung aufkommen. Wir schlurfen schon nachmittags mehr oder weniger lustlos durch die Gegend, auf der Suche nach einem dem Bordetat angemessenen Restaurant und den einschl\u00e4gigen Partyh\u00f6hlen. Fehlanzeige. Hier und dort wird zwar f\u00fcr eine Sylvesterveranstaltung geworben, aber nix f\u00fcr uns. Weder wollen wir im Smoking gegrillten Hummer verspeisen, noch in einer abgewrackten H\u00fctte am Strand die Sau rauslassen. Schlie\u00dflich landen wir in einem mittelpr\u00e4chtigen Gartenrestaurant, vor dem \u2013 jawohl vor, nicht in \u2013 eine Steelband auftreten soll gegen Abend.<br \/>\nBis dahin harren wir aus, mancher Cocktail flie\u00dft durch unsere Kehlen und sp\u00fclt die Snacks hinunter, die wir uns als Ersatz f\u00fcr das ausgefallene Abendessen leisten. Dann endlich tauchen sie auf, die Jungs und M\u00e4dels , die Schlagzeug und F\u00e4ssern mitrei\u00dfende Kl\u00e4nge zu entlocken verm\u00f6gen. Sie haben\u2019s einfach im Blut!<br \/>\nGegen 23.00 Uhr machen wir uns auf den R\u00fcckweg zum Schiff, um dort mit einer Flasche Sekt das Neue Jahr zu begr\u00fc\u00dfen.<br \/>\nHoffentlich wird\u2019s besser als das letzte.<\/p>\n<p><em><strong>Sonntag, 01.01.06:<\/strong><\/em>\u00a0Aufbruch nach Plymouth, zur n\u00e4chsten Ankerbucht. Wieder hei\u00dft es nach einem Katerfr\u00fchst\u00fcck (f\u00fcr einige von uns): Anker einholen. Nach nur wenigen Seemeilen unter Maschine entlang der Nordseite Tobagos lassen wir das Eisen erneut fallen und machen Station in einer einsamen Bucht bei Courland Point, in der au\u00dfer uns nur noch ein Stahlsegler aus Holland liegt. Beim ersten Landgang entdecken Babs, Heiner und Olaf mit Hilfe eines Einheimischen, der daf\u00fcr auch unmissverst\u00e4ndlich die Hand aufh\u00e4lt, ein Restaurant, in dem sie die gesamte Besatzung der D\u00f6rtita zum Abendessen anmelden. Keine kulinarische Offenbarung, aber gute lokale K\u00fcche.<br \/>\nDie Abende sind nicht lang an Bord, der m\u00fcde Haufen findet sich meistens schon relativ fr\u00fch in den Federn wieder. Liegt wohl an der frischen Luft, der fr\u00fch einsetzenden Dunkelheit und, nicht zuletzt, an den zahllosen Abenteuern, die es zu bestehen gilt und die offenbar ihren Tribut fordern.<\/p>\n<p><em><strong>Montag, 02.01.06,<\/strong><\/em>\u00a0gegen Wind und Welle in Richtung Nordosten. Bei Windst\u00e4rken bis zu 8 Beaufort stampft D\u00f6rtita tapfer durch die See. Unter Maschine, denn unter Segeln m\u00fcssten wir aufkreuzen und das will der Skipper seiner schlappen Crew nicht zumuten. Eine echte Achterbahnfahrt. Traumhaft! Solange man nicht selbst am Ruder stehen muss, tun selbst die immer wieder heftig auf uns nieder prasselnden Schauer dem Vergn\u00fcgen keinen Abbruch &#8211; finden einige. Und es wallet und siedet und brauset und zischt, wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt&#8230;<br \/>\nDie Buchten, die wir eigentlich ansteuern wollen, kommen als Ankerplatz nicht in Frage, weil bei dem herrschenden Wind zuviel Schwell uns die Nachtruhe verg\u00e4llen w\u00fcrde. Also beschlie\u00dfen wir, uns bis nach Charlotteville durchzuk\u00e4mpfen, der am weitesten im Norden der Insel gelegenen Ortschaft.<br \/>\nHier liegen wir nun, in einer traumhaften Bucht, optimal gesch\u00fctzt gegen Wind und See. Die Kulisse ist unbeschreiblich sch\u00f6n. Deshalb sind wir hier auch nicht ganz alleine, aber von Massenansturm kann noch lange nicht die Rede sein. Der erste Landeversuch mit dem Dinghi scheitert, weil ein m\u00e4nnliches Mitglied des Sp\u00e4htrupps, bestehend aus Babs, Olaf und Peter, beim Anlanden am Strand ins Wasser plumpst. Wieder zur\u00fcck pullen, trockene Sachen einpacken, wieder an Land pullen und wieder&#8230; Dieses Mal erwischt es Olaf, der zu sp\u00e4t aus dem Dinghi h\u00fcpft und sich daher einer unfreiwilligen Unterbodenw\u00e4sche durch die n\u00e4chste Welle unterziehen muss. W\u00e4re ja alles nur halb so wild, best\u00fcnden da nicht unterschiedliche Auffassungen \u00fcber die Schuld an dem Malheur zwischen den Hauptakteuren Olaf und Peter. Die den beiden angeborene Gelassenheit und ihre ausgepr\u00e4gte Harmoniesucht erm\u00f6glichen es gl\u00fccklicherweise, das Missgeschick schon nach wenigen Stunden in Vergessenheit geraten zu lassen.<br \/>\nSo malerisch die Ortschaft sich von See aus gibt, so wenig hat sie f\u00fcr Touristen zu bieten. Zwar finden sich im Nu drei Internetcaf\u00e9s, aber die Einkaufsm\u00f6glichkeiten sind mehr als bescheiden. Das, was hier als Supermarkt bezeichnet wird, w\u00fcrde bei uns nicht einmal als Tante-Emma-Laden durchgehen. Immerhin finden wir frisches Obst und Gem\u00fcse und ein paar kalte Getr\u00e4nke. Die wichtigste Entdeckung ist zweifelsohne, dass es wider Erwarten eine Busverbindung nach Scarborough gibt, wo wir vor unserer Weiterreise nach Grenada wieder ausklarieren m\u00fcssen. Uff, damit f\u00e4llt uns ein Stein vom Herzen. Ohne diese Landverbindung h\u00e4tten wir um die Nordspitze der Insel herum noch einmal in die Hauptstadt segeln m\u00fcssen.<br \/>\nKurz vor der R\u00fcckkehr zum Boot sto\u00dfen Heiner und Kurt \u00fcberraschend zu uns, die an Land geschwommen sind und das Dinghi entf\u00fchrt haben, um es dann zum Landesteg im Ort zu bugsieren. Bevor wir uns alle f\u00fcnf wieder ins Beiboot st\u00fcrzen, genehmigen wir uns in einer bescheidenen Trinkhalle noch einen Sundowner. Olaf und Peter f\u00e4llt die ehrenhafte Aufgabe zu, das zwar aufgeblasene, mit f\u00fcnf Personen jedoch an seine Beladungsgrenzen sto\u00dfende Gummigef\u00e4hrt zur\u00fcck zu paddeln. Mit der mittlerweile auflandigen, starken Str\u00f6mung kommen sie allerdings nicht so recht klar, wobei abermals unterschiedliche Auffassungen bez\u00fcglich der Verantwortlichkeit f\u00fcr den schlangenf\u00f6rmigen, eher r\u00fcckw\u00e4rts gerichteten Kurs vertreten werden. Die \u00e4u\u00dferst ruhig und sachlich gef\u00fchrte Diskussion f\u00fchrt nicht nur dazu, dass sich die \u00fcbrigen drei vor Begeisterung auf die Schenkel klopfen, nein das Dinghi steuert unterdessen in Kreiselbewegungen zur\u00fcck ans Land und droht in der Brandung zu kentern. In allerletzter Sekunde nimmt sich die Besatzung eines mit Au\u00dfenborder versehenen Schlauchbootes der Beinahe-Schiffbr\u00fcchigen an und schleppt den Havaristen unter Aufbietung aller Zweitaktreserven zum Mutterboot.<br \/>\nChili con Carne, in Nullkommanix gemeinschaftlich auf den Tisch gezaubert, ist die Belohnung f\u00fcr die heroische Bew\u00e4ltigung der Strapazen dieses aufregenden Tages.<\/p>\n<p><strong><em>Dienstag, 03.01.:<\/em><\/strong>\u00a0Kurzurlaub in der Traumbucht. Beinahe h\u00e4tte ich vergessen zu erw\u00e4hnen, dass diese wundersch\u00f6ne Bucht einen ungeheuer poetischen Namen tr\u00e4gt: \u201eMan of War\u201c. Dunkle Wolken h\u00e4ngen fast den ganzen Tag am Himmel. Ab und an gie\u00dft es von einem Moment zum anderen in Str\u00f6men, sodass man stets ein Auge auf die weit ge\u00f6ffneten Deckluken haben muss.<br \/>\nAm Nachmittag begeben sich Babs, Olaf und Peter auf eine Expedition in den Dschungel. Mehrere Stunden k\u00e4mpfen sie sich durch teilweise unwegsames Gel\u00e4nde, stehen hochgiftigen Schlangen Auge in Auge gegen\u00fcber, legen Grizzlyb\u00e4ren flach und reiten schlie\u00dflich auf Alligatoren zur\u00fcck ins Dorf. Dort wird zusammen mit dem Rest der Crew f\u00fcrstlich zu Abend gespeist. Beim Zur\u00fcckpaddeln d\u00fcrfen Peter und Olaf auf Anweisung des Skippers nicht mehr an die Riemen&#8230;<\/p>\n<p><em><strong>Mittwoch, 04.01.,<\/strong><\/em>\u00a0ausklarieren in Scarborough. Mit einem (nicht klimatisierten!) Bus geht es Serpentinen rauf und runter, durch pittoreske Landschaften, bis schlie\u00dflich nach anderthalb Stunden die Hauptstadt zu F\u00fc\u00dfen liegt. Und der ganze Spa\u00df kostet nur 8,- TT (~ 1,10 EUR) pro Nase. Ausklarieren, einkaufen, zur\u00fcckfahren. Nur Peter darf nicht teilnehmen an dem Ausflug, wegen einer Unstimmigkeit mit Montezuma.<br \/>\nGegen 15.30 dann verlassen wir Tobago. Carriacou, ein nord\u00f6stlich von Grenada gelegenes Eiland, ist unser n\u00e4chstes Etappenziel. Entfernung: etwa 80 Seemeilen.<\/p>\n<p><em><strong>Donnerstag, 05.01.,<\/strong><\/em>\u00a0nach einer \u00e4u\u00dferst ruhigen und ziemlich flotten Nachtfahrt sichten wir\u00a0 bereits am fr\u00fchen Morgen gegen 5.00 Uhr Land. Die Ansteuerung von Carriacou erfordert Aufmerksamkeit und Erfahrung, wie ab jetzt \u00fcberall in der Karibik, wegen der zahllosen Korallenriffe. Bei g\u00fcnstig stehender, das hei\u00dft von hinten einfallender Sonne lassen sie sich dicht unter der Wasseroberfl\u00e4che ausmachen. Sich hier ausschlie\u00dflich auf elektronische Navigation zu verlassen, w\u00e4re \u00e4u\u00dferst fahrl\u00e4ssig. Zum Gl\u00fcck sind wir mit einem alten Hasen unterwegs, der jede Koralle pers\u00f6nlich zu kennen scheint.<br \/>\nNach dem Einklarieren in Hillsborough fahren wir ein paar Meter zur\u00fcck bis Sandy Island &#8211; eher ein aufgesch\u00fcttetes Sandb\u00e4nkchen denn eine Insel. Und hier sieht es so aus, wie klein Fritzchen sich die Karibik vorstellt: blaues bis gr\u00fcnes, kristallklares Wasser und wei\u00dfer Strand. Nur die Palmen fehlen, denn die wurden beim letzten Hurrikan von dem Inselchen gefegt. Muss Fritzchen sein Bild eben korrigieren oder aber so lange weitersuchen, bis Vorstellung und Wirklichkeit \u00fcbereinstimmen.<br \/>\nAnkerposition: N 12\u00b0 29, 05\u2019\u00a0 W 061\u00b0 28,90\u2019<br \/>\nWir bleiben eine Nacht vor Anker liegen und genie\u00dfen mit einigen wenigen anderen Segelbooten, vorwiegend gecharterten Katamaranen, die himmlische Ruhe.<\/p>\n<p><em><strong>Freitag, 06.01.,<\/strong><\/em>\u00a0zun\u00e4chst ein Abstecher in die Tobago Cays, zum Inselchen Jamesby, dann Lobster-Buffet auf Union Island stehen heute auf dem Programm. Nur Katzenspr\u00fcnge von einander entfernt, buhlen hier die Inselsch\u00f6nheiten um die Gunst der mehr oder weniger betuchten Yachties. Von den besonders Wohlhabenden tummeln sich in dieser paradiesischen Umgebung nicht wenige. D\u00f6rtita erreicht oft nicht einmal die Gr\u00f6\u00dfe der Beiboote so mancher in der karibischen Sonne d\u00fcmpelnder Luxusyacht. Da sieht man mal wieder, wie weit man\u2019s bringen kann, wenn man immer sch\u00f6n flei\u00dfig arbeitet.<br \/>\nVor Jamesby liegen wir einen halben Tag vor Anker (N 12\u00b0 37,8\u2019\u00a0 W 061\u00b0 21,55\u2019) und geben uns ausschweifenden Vergn\u00fcgungen hin. Babs will gar nicht mehr weg von hier, so traumhaft findet sie die Umgebung. Und auch Fritzchen ist endg\u00fcltig am Ziel seiner Tr\u00e4ume angelangt. Heiner und Olaf schnorcheln stundenlang. Heiner stellt allerdings entt\u00e4uscht fest, dass die meisten Korallenriffe tot sind. Hat sich leider viel ver\u00e4ndert, seit er vor sieben Jahren das erste Mal hier war.<br \/>\nNachmittags servieren Peter und Kurt Kaffee und selbstgebackenen Zitronenkuchen am Strand. Schutz vor der sengenden Sonne bietet dem Kaffeekr\u00e4nzchen das senkrecht stehende, auf die Paddel gest\u00fctzte Schlauchboot. Irgendwann hei\u00dft es dann doch Abschied nehmen von der Idylle. Union Island soll auf jeden Fall noch vor Einbruch der D\u00e4mmerung erreicht werden.<br \/>\nDort werden wir kurz vor dem Landfall von einem Einheimischen in Holzschaluppe begr\u00fc\u00dft, der uns zu einem Steg vor einem Restaurant namens \u201eLambi\u201c dirigiert, das abends mit einem f\u00fcrstlichen Buffet aufwarten soll. Lange Gesichter, als wir erfahren, dass es leider keinen Lobster gibt. Auf den haben wir uns doch so gefreut!<br \/>\nDaf\u00fcr machen neben uns am Steg und etwas weiter drau\u00dfen drei Katamarane fest, bev\u00f6lkert mit italienischen Sch\u00f6nheiten, die ebenfalls das Buffet st\u00fcrmen wollen. Ein lauter Abend, der uns tiefe Einblicke in italienische Abendgarderobe und in italienische Freizeitkultur gestattet. Das Buffet ist in Ordnung, reicht allerdings an unsere Bordk\u00fcche bei weitem nicht heran.<\/p>\n<p><em><strong>Samstag, 07.01.,<\/strong><\/em>\u00a0weiter geht\u2019s mit dem Inselhopping. Vor dem Auslaufen wird Wasser gebunkert, zu 50 Cent EC (East Caribbean, 3,3 EC ~ 1,- EUR) f\u00fcr 10 Gallons (1 Gallon ~ 4 Liter). So hei\u00dft es jedenfalls vor dem F\u00fcllen der Wassertanks. Als es ans Bezahlen geht, stellt sich heraus, dass 1 Gallon 50 Cent kosten soll, also das zehnfache dessen, was uns nach mehrfacher Nachfrage als Preis genannt worden war. Endlose Diskussionen haben immerhin zum Ergebnis, dass man zwar zugibt, sich bei der Einheit geirrt zu haben, jedoch \u00e4ndert das nichts daran, dass der hohe Preis selbstverst\u00e4ndlich zu zahlen ist. Wir zahlen auch, weil wir wissen, dass das Wasser hier tats\u00e4chlich teuer ist.<br \/>\nEin kurzer Schlag unter Segeln Richtung S\u00fcden bringt uns nach Petit St. Vincent. Auf Position N 12\u00b0 32,057\u2019 und W 061\u00b0 23,054\u2019 lassen wir den Anker fallen. Wieder liegen wir in leuchtend t\u00fcrkisblauem Wasser vor einer weiteren Inselsch\u00f6nheit, die mit einer ausgedehnten Bungalowanlage und sogar einem Golfplatz aufwarten kann. Vom Wasser aus ist davon allerdings nichts zu sehen. Baden, schnorcheln, ausruhen, lesen und den Tag mit einem opulenten Mahl beschlie\u00dfen: das Leben ist manchmal furchtbar anstrengend.<\/p>\n<p><em><strong>Sonntag, 08.01.,<\/strong><\/em>\u00a0kurzer Abstecher nach Mopion, dann nach Little Martinique, bevor wir Kurs auf die Tyrrel Bay, im S\u00fcdwesten von Carriacou nehmen.<br \/>\nMopion ist ein winziges Eiland, von etwa 40 m L\u00e4nge und 20 m Breite, das sich einen halben Meter aus dem Wasser erhebt (Ankerposition: N 12\u00b0 32,658\u2019\u00a0 W 061\u00b0 23,758\u2019).<br \/>\nMitten drauf steht ein Sonnenschirm aus Palmenbl\u00e4ttern. Einmal hin\u00fcberschwimmen und staunen, dann zur\u00fcckschnorcheln, das reicht.<br \/>\nAnschlie\u00dfend geht es weiter nach Little Martinique, wo wir f\u00fcr einen ausgedehnten Spaziergang in der sonnt\u00e4glichen Mittagshitze den Anker auf Position: N 12\u00b0 31,529\u2019 und W 061\u00b0 23,289\u2019 fallen lassen. Tote Hose, soweit das Auge reicht. Wir genehmigen uns einen Drink und pullen zur\u00fcck zum Boot.<br \/>\nGegen 16.30 Uhr landen wir dann in der Tyrrel Bay. Auch hier is nix los am fr\u00fchen Sonntag Abend. Seltsam, immerhin liegen hier au\u00dfer uns noch einige Yachten vor Anker. Ich h\u00e4tte wesentlich mehr Trubel zu dieser Zeit erwartet.<br \/>\nAnkerposition:\u00a0 N 12\u00b0 27,474\u2019\u00a0 W 061\u00b0 29,109\u2019<br \/>\nKurt zaubert mit Heiners Hilfe delizi\u00f6se Knoblauch-, Thunfisch-Sardellen- und Tomaten-Zwiebelbrote.<\/p>\n<p><em><strong>Montag, 09.01.,\u00a0<\/strong><\/em>endlich mal wieder ein l\u00e4ngerer Schlag unter Segeln. Kurz vor 9.00 Uhr brechen wir auf nach Grenada, etwa 30 Seemeilen liegen vor uns. Und die bew\u00e4ltigen wir an diesem Bilderbuch-Segeltag im Fluge. Unter gnadenlos sengender Sonne, bei gut 6 Beaufort Wind und rollender See von schr\u00e4g achtern kommt richtiges Kanonenrittgef\u00fchl auf. Echt geil sch\u00f6n!<br \/>\nNach nur f\u00fcnf Stunden liegen wir in der Lagune vor St. George\u2019s, der Hauptstadt von Grenada. Eine beeindruckende Kulisse, wenn auch \u00fcberall noch die Spuren des vor anderthalb Jahren hier durchgefegten Hurrikans Ivan zu sehen sind. Viele abgedeckte H\u00e4user und das eine oder andere am Ufer liegende Wrack lassen die Verw\u00fcstung allerdings nur noch erahnen, die er \u00fcber die Insel, die immerhin 40 Jahre von Wirbelst\u00fcrmen dieser Kategorie verschont geblieben war, gebracht hat.<br \/>\nD\u00f6rtita t\u00e4nzelt dicht am Ufer um ihren in nur vier Meter Tiefe liegenden Anker auf Position: N 12\u00b0 02,720\u2019\u00a0 W 061\u00b0 44,793\u2019.<br \/>\nEin erster Landgang f\u00fchrt zum Marineausr\u00fcster, wo Heiner einen neuen Au\u00dfenborder bestellt. Und wann soll der geliefert werden? Richtig, am kommenden Freitag, wenn wir bereits am Flughafen Tr\u00fcbsal blasen. Wichtig war dem Skipper nur, dass das Triebwerk rechtzeitig zur Ankunft der neuen Crew einsatzbereit ist. Wir werden uns h\u00fcten, an dieser Stelle irgendwelche wilden Spekulationen anzustellen. Heiner wird schon wissen, was er tut. Dennoch w\u00fcrde uns interessieren, was Manfred und Ingrid, unsere Nachfolger, haben, was wir nicht bieten k\u00f6nnen? Ob sie vielleicht besser zahlen? Oder einfach netter sind? Oder schlauer? Oder aufm\u00fcpfiger? Oder unsportlicher? Ist das m\u00f6glich?<br \/>\nDann werden in einem Supermarkt, der seinem Namen alle Ehre macht, Lebensmittel eingekauft. Unser Smutje begl\u00fcckt uns noch vor dem abendlichen Erkundungsrundgang mit Paella.<br \/>\nAuch hier, in der Inselhauptstadt, tobt um diese Zeit nicht gerade das Leben. Aber, dass nachts die B\u00fcrgersteige hoch geklappt werden, hat uns schon der Reisef\u00fchrer verraten. Wir wundern uns also nicht, laufen einmal um den Hafen, wagen einige Schritte in die Altstadt und kehren nach einem Drink zum Schiff zur\u00fcck. Der Abend findet mit einer Diskussion \u00fcber den Sinn des Daseins einen w\u00fcrdigen Ausgang.<\/p>\n<p><em><strong>Dienstag, 10.01.,<\/strong><\/em>\u00a0Einkaufsbummel in St. George\u2019s und Aufbruch zur Prickly Bay.<br \/>\nGleich um die Ecke, auf der S\u00fcdseite Grenadas, erwartet uns jene Bucht, in der Ivan ausnahmslos alle an Land stehenden Yachten durch die Luft gewirbelt haben soll. Seitdem ist es schwierig mit dem Versicherungsschutz geworden.<br \/>\nAnkerposition: N 11\u00b0 59,933\u2019\u00a0 W 061\u00b0 45,605\u2019<\/p>\n<p><em><strong>Mittwoch, 11.01.,<\/strong><\/em>\u00a0die Crew geht getrennte Wege. Heiner, Kurt und Olaf brechen zu einer Inseltour auf, Babs und Peter h\u00fcten das Schiff.<br \/>\nNoch zwei Tage bleiben uns im Segelparadies.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapverden &#8211; Teufelsinseln &#8211; Tobago &#8211; Grenada Samstag, 10. Dezember 2005 Position:\u00a0 N 13\u00b0 59\u2019, W 30\u00b0 36\u2019 Kurs: 250\u00b0 Geschw. \u00fcber Grund: 5 Kn. 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